Start in den Montag 07.06.202

Die fünf Gelehrten und der Elefant

Liebe Schülerinnen und Schüler,

liebe Kolleginnen und Kollegen,

liebe Eltern,

immer wieder fragen sich Menschen, wie Gott eigentlich ist: wie er aussieht und womit er verglichen werden kann. Manchmal kommt es sogar darüber zum Streit, weil jemand behauptet: „Gott ist so.“ Und ein anderer dann sagt: „Nein. Gott ist ganz anders.“ Vielleicht liegt das daran, dass wir von Gott immer nur einen Teil erfahren und fassen können. Genau das macht die folgende Geschichte deutlich:

In einem Königreich lebten einst fünf weise Gelehrte, die alle blind waren. Ihr König schickte sie auf die Reise nach Indien, um herauszufinden, was ein Elefant ist. Dort angekommen, wurden sie von einem Helfer zu einem Elefanten geführt. Sie standen um das Tier herum und versuchten, sich durch Ertasten ein Bild von dem Elefanten zu machen.

Wieder zurück beim König sollten sie über den Elefanten berichten.

Der erste blinde Gelehrte hatte das Ohr des Tieres ertastet und begann: „Der Elefant ist wie ein großer Fächer“.

Der zweite Blinde, der den Rüssel berührt hatte, widersprach ihm: „Nein, er ist ein langer Arm.“

„Stimmt nicht, er fühlt sich an wie ein Seil mit ein paar Haaren am Ende“, entgegnete jener Gelehrte, der den Schwanz des Elefanten ergriffen hatte.

„Er ist wie eine dicke Säule!“, berichtete der vierte blinde Gelehrte, der das Bein ertastet hatte.

Und der fünfte, der den Elefantenrumpf berührt hatte, meinte: „Der Elefant ist wie ein riesiges rundes Fass.“

Die fünf konnten sich nicht einigen, was ein Elefant wirklich ist. Aufgrund ihrer widersprüchlichen Aussagen, fürchteten die Gelehrten den Zorn des Königs.

Doch der König lächelte weise:

„Ich danke euch, denn nun weiß ich, was ein Elefant ist: Ein Elefant ist ein Tier mit Ohren wie Fächer, mit einem Rüssel, der wie ein langer Arm ist, mit einem Schwanz, der einem Seil mit ein paar Haaren daran gleicht, mit Beinen, die wie starke Säulen sind und mit einem Rumpf, der wie ein großes Fass ist.”

Die Gelehrten senkten beschämt ihren Kopf, nachdem sie erkannten, dass jeder von ihnen nur einen Teil des Elefanten ertastet hatte und sie sich zu schnell damit zufriedengegeben hatten.

So wie in der Erzählung mit dem Elefanten, so verhält es sich auch mit Gott, den wir nicht sehen können und von dem wir immer nur einen Teil erfahren können, aber über den es sich immer wieder lohnt, gemeinsam zu sprechen und nachzudenken.

Ich wünsche uns allen eine gute Woche, insbesondere den Schülerinnen und Schülern der 10. Klassen wünsche ich viel Glück und Erfolg bei den am Dienstag beginnenden BLF-Prüfungen.

Ihr / Euer

Pfarrer H. Ackermann