Projektauftakt am Verwaltungsgericht Weimar (Klasse 10E und gA Geschichte Klasse 11)

"Spurensuche außerhalb des Geschichtsbuchs"

Mit einem besonderen Projekt beschäftigen sich derzeit jahrgangsübergreifend die Klasse 10E und der Geschichtskurs 11. Unter dem Titel „ICH WAR HIER … Eine Spurensuche nach jüdischen Kollegen und Kolleginnen in der Thüringer Justiz nach 1933“ versuchen 45 Schülerinnen und Schüler aktive Recherchearbeit zu leisten und an der Erweiterung der gleichnamigen Ausstellung mitzuwirken.

Die Projektkoordination zwischen Justizministerium und Schule liegt in den Händen der Antisemitismusbeauftragten der Thüringer Justiz, Frau Dr. Düwell, sowie von Frau Bargfeld.

Letzte Woche fand im Verwaltungsgericht Weimar der offizielle Projektauftakt mit der Justizministerin Frau Meißner statt, die gemeinsam mit dem Gerichtspräsidenten Herrn Lenhart sowie dem Vorsitzenden der Evangelischen Schulstiftung, Herrn Eberl, anwesend war. Die Justizministerin legte ihre vorbereitete Rede zur Seite und erläuterte uns ihre Einschätzung zur Bedeutung von Erinnerungskultur und aktiver Erinnerungsarbeit – insbesondere auch angesichts aktueller gesellschaftlicher Entwicklungen.

In der anschließenden Gruppenarbeitsphase hatten die Schülerinnen und Schüler die Gelegenheit, mit Richterinnen und Richtern über die Frage zu sprechen, ob aktuell versucht wird, Einfluss auf die Arbeit der Thüringer Justiz zu nehmen und ob dadurch die Unabhängigkeit der Justiz in Gefahr sei. Zu dieser Phase erklärte ein Mitglied des Geschichtskurses: „Vor allem war das Fallbeispiel mit den jungen Richtern cool, weil sie uns viele Dinge erklärt haben.“

Der Vormittag endete mit der Übergabe einer Quellensammlung durch Frau Dr. Düwell an Kayra Gottschall (10E) und Elisabeth Trappe (GE 11). Ausgestattet mit einer Vielzahl an Materialien kann die biografische Arbeit nun beginnen: die Schülerinnen und Schüler haben vor mit Hilfe ihrer Recherche, Menschen und Lebenswege sichtbar zu machen – und ein Stück Justizgeschichte Thüringens wachzuhalten.

Verschiedene Stimmen der Schülerinnen und Schüler zum Projektstart:

„Ich finde es gut, dass man diese Menschen in Erinnerung ruft, damit so etwas wie Ausgrenzung von Minderheiten nicht mehr passiert.“

„Ich freue mich diesen Menschen eine Stimme zu geben und ihre Lebensgeschichte kennenzulernen.“

„Ich habe Angst davor, die Ausstellung zu erweitern, weil ich glaube, dass es keine einfache Aufgabe sein wird.“

„Ich freue mich sehr darauf, die Quellen zu bearbeiten, da es etwas Einmaliges ist und die Akten Unikate aus der damaligen Zeit sind.“

„Ich erhoffe mir, dass man von dem Wissen über diese schlimme Zeit in die Gegenwart blickt und kritisch mit vielen Sachen umgeht, die sich zu wiederholen scheinen.“

„Ich hoffe in diesem Projekt finden wir auch Informationen über weibliche Personen und deren Leben.“

„Ich finde das Projekt sehr interessant, da man gar nicht einschätzen kann, wie weit man in die Geschichte eindringen wird. Jedoch kann es anspruchsvoll und sehr schwierig werden, aber zusammen mit den Mitschülern wird es machbar.“

Bis zum Ende des Schuljahres werden die Schülerinnen und Schüler ihre ersten Einschätzungen überprüfen können, denn die Ergebnispräsentation ihrer Recherchearbeit zu Lebenswegen jüdischer Justizangestellte soll im Sommer 2026 erfolgen. Es bleibt spannend!