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03.05.2021 07:38 Alter: 6 days

Start in den Montag (03.05.2021) - Von Samen, Pflanzen und fertigen Früchten

Seit 10 Tagen hat sie geöffnet: Die Bundesgartenschau 2021 hier in Erfurt. Von einigen wurde ihr Start herbeigefiebert: So fragten mich


Schülerinnen und Schüler aus der 11. Klasse, ob wir am Tag der Eröffnung der Gartenschau nicht ein wenig früher mit der Stunde schließen könnten, sie würden gerne um 9.00 Uhr am Hirschgarten sein. Auf meine verblüffte Nachfrage antworteten die Schüler mir, dass sie dort ein Jahr lang die Bundesgartenschauuhr dabei beobachtet hätten, wie sie die Zeit rückwärts zählt, bis es endlich losginge. Und jetzt wollten sie gerne dabei sein, wenn der Zeitmesser endlich bei 0 ankommt.

Andere hingegen sehen die Gartenschau mit kritischem Blick, nicht zuletzt deshalb, weil viele Bäume auf dem Petersberg und im Nordpark gefällt wurden.

Ganz egal, wie jeder einzelne zu diesem Großereignis hier in Erfurt steht: Ein Hauch von Gartenschau hat auch bei uns am Ratsgymnasium Einzug gehalten. Schließlich wurden die Poller von vielen fleißigen und geduldigen Händen mit neuem Grün und bunten Farbtupfern umhäkelt. Dazu sind Blumengirlanden an den Zäunen des Ratsgymnasium gewachsen.

Vom Samen, Pflanzen und Früchten handelt auch die folgende kleine Erzählung:

Ein junger Mann betrat im Traum einen Laden. Es war ein merkwürdiger Laden. Es roch gut und alles war hell und freundlich. Aber man sah keine Waren. Hinter der Theke stand ein Engel. Der Mann freute sich über diese wunderbare Begegnung und fragte: „Was verkaufen Sie denn hier?“ Der Engel antwortete freundlich: „Alles, was Sie wollen.“ Der Mann zögerte nicht lange: „Dann hätte ich gerne das Folgende: Frieden, das Ende aller Kriege auf der Welt, eine saubere Natur, einen Beruf, der mir Freude macht. Dazu noch, dass Eltern viel Zeit für ihre Kinder haben, keine Armut mehr, Menschen, die teilen können, Hoffnung …“ Als der junge Mann Luft holen wollte, um seine Aufzählung fortzusetzen, fiel ihm der Engel, der hinter der Ladentheke stand, ins Wort: „Entschuldigen Sie bitte, Sie haben mich falsch verstanden. Wir verkaufen hier keine fertigen Früchte und Pflanzen. Wir verkaufen nur den Samen."

Liebe Schülerinnen und Schüler,
liebe Lehrerinnen und Lehrer,
liebe Eltern,

wäre das nicht klasse, wenn wir uns alle unsere Wünsche und Hoffnungen einfach kaufen könnten? So wie fertige Pflanzen oder Früchte?

Aber so einfach ist das (leider) im Leben nicht. Vielmehr braucht es Zeit, bis so ein kleines Samenkorn zu einer Pflanze gewachsen ist, bis Früchte sichtbar werden.

Und so ist es auch mit vielen unserer Wünsche. Wünsche beginnen manchmal ganz klein, flimmern im Kopf auf und werden größer. Wünsche können sich manchmal von selbst erfüllen, häufig ist es aber so, dass wir für die Erfüllung unserer Wünsche selbst etwas beitragen können oder auch müssen.

So wie ein Samenkorn gesät werden muss, gegossen und gepflegt werden muss, vom Unkraut befreit werden will, damit es wirklich groß wird und in voller Blüte und Schönheit erstrahlt, so muss auch ich meine Wünsche pflegen und dafür sorgen, dass sie in Erfüllung gehen können. Das ist manchmal gar nicht so einfach und oft erfordert dies Geduld, Kraft und Mut. Manchmal muss ich dazu über Hürden gehen, bis ein Wunsch wahr wird. Vielleicht ist die Erfüllung des Wunsches dann um so schöner. Und auch wenn ich dann vielleicht an der ein oder anderen Stelle im Laufe meines Lebens die Erfahrung mache, dass nicht alle meine Wünsche in Erfüllung gehen, so kann ich mir doch sicher sein, dass viele Wünsche wahr werden können, wenn ich mich dafür einsetze, wenn ich mich um sie kümmere, sie pflege und gieße.

Liebe Schülerinnen und Schüler,
liebe Lehrerinnen und Lehrer, 
liebe Eltern,

bei meiner Arbeit im Ratsgymnasium finde ich es immer besonders schön von Wünschen und Träumen von Schülerinnen und Schülern zu hören. Ich sehe, mit welchem Elan häufig diese Wünsche angegangen werden. Das beeindruckt mich.

Ob ich Wünsche habe? Meine kleinen privaten Wünsche behalte ich für mich, aber meine Wünsche für das Ratsgymnasium möchte ich schreiben. Mir wäre es wichtig, wenn wir uns alle weiterhin dafür einsetzen, dass das Ratsgymnasium ein Ort wird, an dem insbesondere Verständnis füreinander, Fairness, Fröhlichkeit und Toleranz immer weiterwachsen und blühen können.

Ihr / Euer Pfarrer H. Ackermann


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